Ausbildung Ungediente f√ľr die Reserve der Bundeswehr

Das Aussetzen der Wehrpflicht Anfang 2011 wirkt sich auf die Nachwuchsgewinnung und die Verf√ľgbarkeit des Personalk√∂rpers der Reservisten aus. Verb√§nde, die mit Masse aus Reservisten bestehen (z. B. Regionale Sicherungs- und Unterst√ľtzungskr√§fte), haben die Aufgabe, einsatzf√§hige Organisationselemente und Einheiten aufzustellen und zu regenerieren.

Zur HeranfuŐąhrung von Interessenten an die Reserve und zur UnterstuŐątzung der Bundeswehr in der Nachwuchsgewinnung erfolgt seit 2017 die Ausbildung von Ungedienten zu Reservisten. Die Absicht ist dabei Ungediente eine militaŐąrische Grundausbildung durchlaufen zu lassen, an deren Ende die Zertifizierung durch die Bundeswehr steht.


Der Weg in die Reserve als Ungediente*r

Deutsche Staatsangeh√∂rige, die nie Soldat waren, keinen Grund- oder freiwilligen Wehrdienst abgeleistet haben und sogar ehemalige Zivildienstleistende (bei zur√ľckgezogener Verweigerung) haben mittlerweile die M√∂glichkeit, doch noch eine (verk√ľrzte) Grundausbildung zu durchlaufen und sich damit f√ľr den Dienst in der Reserve zu qualifizieren.

Leider ist das noch nicht fl√§chendeckend in allen Bundesl√§ndern m√∂glich, aber bei uns in Baden-W√ľrttemberg, wird dieser neue Weg in die Reserve seit 2017 als Gemeinschaftsprojekt ‚ÄúUngediente f√ľr die Reserve‚ÄĚ des Landeskommando Baden-W√ľrttemberg (LKdoBW - Die Bundeswehr in Baden-W√ľrttemberg) und der Landesgruppe des Reservistenverbands (Die Reserve in Baden-W√ľrttemberg) angeboten.

Die gro√üe Mehrheit der Absolvent*Innen der ersten zwei Jahrg√§nge 2018 und 2019 dienen mittlerweile in den drei Regionalen Sicherungs- und Unterst√ľtzungskompanien (RSUKp) des Landes, die dringend auf den Nachwuchs angewiesen sind, um ihre Sollst√§rke zu halten. Hier vervollst√§ndigen sie ihre Ausbildung und √ľben regelm√§√üig mit den erfahrenen langgedienten Kameraden alle milit√§rischen Fertigkeiten, die f√ľr Sicherungs- und Unterst√ľzungseins√§tze n√∂tig sind und nehmen an √úbungen des Landeskommandos teil. Entgegen ersten Vorbehalten haben sie sich sehr gut integrieren k√∂nnen und werden nach einem Jahr Kompanieleben genauso behandelt wie jeder andere regul√§r ausgebildete Kamerad auch.

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Der Weg dahin fordert allerdings viel Eigenengagement, Selbstdisziplin und Zeiteinsatz - das muss jedem Interessiertem klar sein. Wer sich aber nicht so leicht entmutigen l√§sst und gerne an Herausforderungen w√§chst, der wird auf folgenden Stationen den Weg in die aktive Reserve in Baden-W√ľrttemberg finden:

  • R√ľcknahme einer etwaigen Wehrdienstverweigerung beim Bundesfamilienministerium (Rechtsnachfolger des BAZ)
  • Anmeldung zur Informationsveranstaltung f√ľr den n√§chsten Jahrgang der Ungedientenausbildung bei folgender Email:
    Ungediente@reservistenverband-bw.de
    Diese Veranstaltung findet √ľblicherweise an zwei Terminen im September statt.
  • Teilnahme an der Informationsveranstaltung in der Theodor-Heu√ü-Kaserne Stuttgart, wo alle Aspekte der Eignungsfeststellung, der Ausbildung, der Termine, des erforderlichen Zeiteinsatzes und der weiteren Verwendungsm√∂glichkeiten von Offizieren des LKdoBW erl√§utert werden. Unter Vorlage der Geburtsurkunde k√∂nnen sich die Interessent*Innen hier verbindlich f√ľr die Zulassung zur Ausbildung anmelden. Sie erhalten au√üerdem Ausbildungsunterlagen, mit denen sie s√§mtliche Theoriekenntnisse der Grundausbildung im Selbststudium bis zum Beginn der praktischen Pr√§senzausbildung erarbeiten m√ľssen.
  • Durchlaufen der Eignungsfeststellung
    Dieses Verfahren ist vollindentisch zum dem regul√§rer Bewerber bei der Bundeswehr und wird vom zust√§ndigen Karrierecenter (KC) Stuttgart durchgef√ľhrt. Es umfasst eine eingehende gesundheitliche Grunduntersuchung und eine Sicherheits√ľberpr√ľfung. Werden hier alle Anforderungen erreicht und die Tauglichkeit f√ľr die Ausbildung bescheinigt, so erfolgt die offizielle Zulassung zur Ausbildung zeitlich meist im 1. Quartal des n√§chsten Jahres.
    Im Hintergrund erfolgt eine Pr√ľfung durch den Milit√§rischen Abschirmdienst (MAD), bei der vermieden werden soll, dass Extremisten eine Ausbildung in der Bundeswehr erhalten.
  • Offizielle Aufnahme in die Ungedienteausbildung und vorl√§ufige Beorderung bei der RSUKp Schw√§bische Alb in Stetten am kalten Markt, wo die komplette Pr√§senzausbildung stattfindet.
  • Ableisten der Grundausbildung im Fr√ľhjahr/Sommer
    Die praktische Ausbildung findet an 3 verl√§ngerten Wochenenden zwischen April und Juli und 1 Pr√§senzwoche im August statt und beginnt im ersten Modul mit der Einkleidung bzw. dem Erhalt der gesamten pers√∂nlichen Ausr√ľstung. Im Gegensatz zur regul√§ren Grundausbildung wird das Gel√∂bnis bereits am Ende dieses ersten Ausbildungsmoduls abgelegt. Somit ist es ab diesem Datum bereits m√∂glich, an bestimmten Dienstlichen Veranstaltungen (DVag) der beorderungsunabh√§ngigen Reserve (BU) in Uniform teilzunehmen.
  • Selbstlernphasen zwischen den Modulen
    Da die Ausbildungsmodule soviel Praxisausbildung wie m√∂glich enthalten, m√ľssen sich die Rekruten die daf√ľr erforderliche Theorie sorgf√§ltig und umfassend selber erarbeiten und im Nachgang der Module aufgetretene Kenntnism√§ngel selbst√§ndig abstellen oder noch unsichere F√§higkeiten eigenverantwortlich weiter√ľben.
    Das gilt auch und besonders f√ľr die k√∂rperliche Fitness, denn das Bestehen des Basis-Fitness-Tests (BFT) und des Leistungsmarschs ist Grundvoraussetzung f√ľr den Abschluss der Ausbildung.
  • Abschluss der Grundausbildung
    Nach dem Bestehen der Rekrutenpr√ľfung im letzten Ausbildungsmodul wird den Absolventen die ATN (Ausbildungs- und T√§tigkeitsnummer) ‚ÄúSoldat SK‚ÄĚ zuerkannt. Die bei der regul√§ren Grundausbildung zus√§tzlich erreichte ATN ‚ÄúWach- und Sicherungssoldat‚ÄĚ wird erst in einer der RSUKp fertig ausgebildet.
  • Umbeorderung zur RSUKP Oberrhein
    Kurz vor Abschluss der Grundausbildung kann jede/r Rekrut*In die RSUKp wählen, zu der er/sie in Zukunft gehören will. Entsprechend wird dann die Umbeorderung veranlasst.
  • Begr√ľ√üungsveranstaltung bei der RSUKp Oberrhein
    Hier werden die neuen ‚Äúschon gar nicht mehr so ganz ungedienten‚ÄĚ Kamerad*Innen ins Kompanieleben eingef√ľhrt, ihrem Zug und ihrer Gruppe zugeteilt, ihre Wachausbildung fortgesetzt und von den erfahrenen Angeh√∂rigen der Kompanie herzlich begr√ľ√üt.
  • Erreichen der vollst√§ndigen Einsatzbereitschaft
    Wenn die notwendigen Ausbildungen und das Wachschie√üen erfolgreich bestanden wurden, wird mit der Zuerkennung der ATN ‚ÄúWach- und Sicherungssoldat‚ÄĚ der Ausbildungsstand der regul√§ren Vollzeitgrundausbildung erreicht. Aber nur durch regelm√§√üiges √úben kann man sich dann auch an die Routine der altgedienten Kameraden heranarbeiten, die einem aber stets mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Von der Anmeldung zur Infoveranstaltung bis zum Beginn der Ausbildung kann es also bis zu einem Jahr dauern, bis zum Diensteintritt in unserer RSUKp Oberrhein durchaus insgesamt 2 Jahre. Um in dieser Wartezeit aber schon die Reserve kennenzulernen, Kontakte zu kn√ľpfen und milit√§rischen Stallgeruch aufzunehmen, sollte jede/r Interessent*In von Anfang an Mitglied im Reservistenverband werden (https://www.reservistenverband.de/baden-wuerttemberg/).

Schon als noch ziviles F√∂rdermitglied findet hier jede/r eine Reservistenkameradschaft (RK) in ihrer/seiner N√§he, bei der man auch ohne Uniform an vielen Veranstaltungen teilnehmen kann und als helfender ‚ÄúFunktioner‚ÄĚ oder Rollenspieler auch in Zivil bei Ausbildungen oder gar Milit√§rwettk√§mpfen mitmachen und wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Aber auch w√§hrend der Grundausbildung erf√§hrt man in seiner RK, wann und wo die zust√§ndige Kreisgruppe zus√§tzliche Ausbildungen anbietet, bei denen man seinen R√ľckstand an milit√§rischen Kenntnissen und Routine optimal aufholen und viele neue Freunde gewinnen kann.

Die meisten Mitglieder der RSUKp Oberrhein sind zus√§tzlich in ihrer Heimat-RK aktiv und halten an den monatlich stattfindenden Kameradschaftsabenden Kontakt zu Kameraden aus ihrem lokalem Umfeld, die bei der unbeorderten Reserve mitmachen, in anderen Einheiten dienen, im aktiven Dienst sind oder sich eben als zivile F√∂rderer auf dieser pers√∂nlichen Ebene f√ľr die Sicherheit unseres Landes einbringen wollen - und bleiben so immer auf dem Laufenden, was gerade so geht.